Rezensionen Konzerte

Yu Kosuge Klavierabend Nikolaisaal Potsdam 18.4.2006

Regionale Nachrichten 24.04.2006 Mit Fantasie durch die Geschichte

Begeisternder Klavierabend der jungen Yu Kosuge Die Fantasie ist für alle Kunst unverzichtbar; in der Musik ist ihr gar eine eigene kompositorische Gattung zugeordnet. Ursprünglich meint Fantasie ein aus dem Stegreif gespieltes Instrumentalstück. Doch bereits im 18. Jahrhundert bildet sich daraus eine thematisch frei gestaltete Instrumentalkomposition mit gewollt eigenwilligen Abweichungen. Die 1983 in Tokio geborene Yu Kosuge gab am Freitagabend im Nikolaisaalfoyer stilsicher einen Abriss der Fantasien von Bach bis Manuel de Falla. Im Sinn einer zweistimmigen Invention Bachs erklangen eine c-Moll-Fantasie, gefolgt von einem wahren Virtuosenstück in a-Moll. Mit sparsamem Pedalgebrauch kam Yu Kosuge der idealen Bachinterpretation sehr nah. Dann folgte auch schon der Wechsel zur Wiener Klassik. Bei Mozarts Fantasie d-Moll fand sie wieder den genau richtigen Ton und brachte gleich einer Verkündigung in präziser Anschlagskultur, das Werk aus dem Jahr 1782 zu Gehör. In Haydns Fantasie in C klang unüberhörbar ein Finalsatz eines Haydn-Klavierkonzertes an. Um die drei bekanntesten Klassiker zu komplettieren, folgte eine sehr Beethovensche Fantasie in der entlegenen Tonart H-Dur. Abwärts stürzende Tonkaskaden eröffnen das Werk, und nur behutsam gewinnt das gesangliche Thema Gestalt, durch rasende Läufe unterbrochen. Gegen Ende löst sich dann diese Fantasie in ein Thema mit Variationen auf. Entsprach Yu Kosuge Beethovens Anforderung an den Spieler völlig, zeigte sie diese Sicherheit auch in der Grazer Fantasie von Schubert. Ein frecher Tanz in der Mitte des Werkes entließ den Zuhörer in die Pause. Im zweiten Teil wurde es mit Chopins großer f-Moll-Fantasie von 1840/41 ganz romantisch. Auch Rachmaninow durfte in der Referenz an die Fantasie nicht fehlen. Sein Stück - eher an Schumann anknüpfend - und die Fuge in d-Moll ließen Reminiszenzen an Bachs I. Teil des Wohltemperierten Klaviers anklingen. Der absolute Hit aber war das Abschlusswerk des Abends. Die Rubinstein gewidmete Fantasie baética vereinigt höchste Virtuosität mit der Leidenschaft der Folklore der spanischen Heimat de Fallas. Fantasien in Einheit von Komposition und Interpretation, das war ein Hochgenuss, den die hoch begehrte Nachwuchspianistin servierte.

mamü

Yu Kosuge / Real Orquesta Sinfónica de Sevilla / Christian Arming (Dirigent)

Konzerte am 02.03. und 03.03.2006 in Sevilla

El Mundo 04.03.06

Eine gelungene Orchestervorführung auf höchsten Niveau

[...] Ein anderes großes Talent, noch jünger als der Dirigent ist die Japanerin YK. Sie spielte so überragend und brillant in ihrer Technik, und was am wichtigsten ist, voller Musikalität und mit Sensibilität, mit impulsiven und lyrischen Akzenten, verbunden mit spielerischem Witz und Humor, so dass das Stück in ein ganz besonderes Licht gerückt wurde. [...]

Kulturzeitung El Correo de Andalucia 05.03.06

Junge Romantiker
So viel Eleganz und Delikatesse verdiente einen begeisterten Applaus

[...] Aber ohne Zweifel war das an diesem Abend das herausragendste Ereignis der Auftritt der jungen Pianistin YK. Auf dem berühmten Duo "La ci darem la mano" aus dem Don Giovanni basiert das Werk des jungen Chopin, bei dem die junge Interpretin perfekt-virtuose Technik mit romantischer Einfühlsamkeit und großer Leidenschaft kombinierte. Soviel Eleganz und soviel Delikatesse verdienten einen begeisterten Applaus des Publikums, das nach langem Bitten auch noch mit einer Zugabe beschenkt wurde: einer Nocturne, ebenfalls von Chopin, die vielen noch aus dem Polanski-Film "Der Pianist" nach dem Roman von Szpilman in Erinnerung war. [...]