| Rezensionen CD |
Mozart Klavierkonzerte KV 271 und 467 Yu Kosuge (Klavier); NDR-Sinfonieorchester, Lawrence Foster SONY BMG CD 82876810552 Piano NEWS 05/2006 ...die wohl anregendste und hochwertigste musikalische Unterhaltung seit langem. Interpretation: 6 Punkte (von 6) Klang: 6 Punkte (von 6) Wenn die junge japanische Pianistin Yu Kosuge im Booklet ihrer CD mit Einspielungen zweier Mozart-Konzerte mit dem Satz zitiert wird, dass Mozart in seinen Konzerten "einen Dialog zwischen Orchester und Solist" beabsichtigte, dann schient dieser Satz von niemandem glaubwürdiger umgesetzt als von dieser Musikerin in den Konzerten Nr. 9 und 21. Yu Kosuge beweist echtes Fingerspitzengefühl für Mozart, spielt mit Leichtigkeit und dennoch mit voller Intensität und Leidenschaft. Abgesehen von technischer Perfektion, die heute nicht mehr einzigartig ist, besitzt diese Pianistin eine umwerfende Ausdruckspalette, einen exquisiten, perlenden Anschlag. Dabei lässt sie ihr glasklares Spiel durch sehr sparsamen Pedalgebrauch voll zur Geltung kommen. Den Dialog mit dem Orchester, vor allem im "Jeunehomme"-Konzert, hätte sich Mozart nicht frischer und harmonischer wünschen können. In den Kadenzen, dort, wo es erlaubt ist, führt Yu Kosuge einen Monolog, brilliert solistisch. Den langsamen Sätzen beider Konzerte entlockt sie geballte Emotionalität, ohne weich zu zeichnen. So fein und gehaltvoll hat man das oft überanstrengte romantische Andante des Konzertes Nr. 21 selten gehört. Mit dem NDR Sinfonieorchester unter Lawrence Foster steht der Pianistin ein gleichwertiger sensibler "Dialogpartner" zur Seite: Hier passt einfach alles zusammen und ergibt die wohl anregendste und hochwertigste musikalische Unterhaltung seit langem. Isabel Fedrizzi |
Fono Forum August 2006 Melodie als Sprache Mozart, der Schwerste? Yu Kosuge hat Chopin und Schumann, Liszt und Rachmaninow eingespielt, jetzt wagt sich die 22-jährige Japanerin an zwei der berühmtesten Klavierkonzerte Mozarts. Und bestätigt den Ruf, der ihr vorauseilt, eine pianistisch wie musikalisch bemerkenswerte Figur unter jenen vielen Begabungen am Klavier zu sein, die aus Asien nach Europa drängen. Yu Kosuge wollte schon mit neun nach Deutschland übersiedeln, Land ihrer Lieblingskomponisten, und sie schaffte es: Die Frühbegabte ging nach Hannover zu Karl-Heinz Kämmerling. Es spricht für das Potential der energischen jungen Dame, dass sie Rat suchte bei Andras Schiff. Kosuges "Jeunehomme"-Konzert lässt schon bei der ungestümen Eingangsfloskel aufhorchen, nachdem das NDR-Sinfonieorchester unter dem aufmerksamen Lawrence Foster das Dreiklang-Signal exakt, nicht zu rasch, formuliert hat. Sie gibt die Antwort nicht, wie so viele, mit rauschhafter Geste, sondern abgestuft, in trockenem Tonfall - man denkt an den Klang eines Hammerflügels. Yu Kosuge spielt auch das C-Dur-Konzert mit geistiger Überlegenheit, glasklar in der Diktion - rhythmisch sehr sicher, ohne dass die Poesie des Melodischen geopfert wird. Dazu passt die Interview-Bemerkung über den Kämmerling-Unterricht: die Melodie als Sprache denken... Die Balance von geistreichem Spiel und Ernst, Virtuosität und Sinnhaftigkeit des Denkens in größeren Zusammenhängen bleibt gewahrt. Und Lauffreudigkeit verführt sie selten zum hurtigen Aufdrehen, ihr Temperament nicht zum Überdrehen. Kosuges Mozart-Spiel hat die Kultiviertheit dessen, der sich mit dem Charme nie nach vorn drängt. Dass die eigene Kadenz im Kopfsatz von KV 467 harmonisch beherzt klingt, steigert das Bild der Künstlerin. Wolfgang Schreiber Musik **** Klang **** |
hr2 - "Klassik-Zeit" vom 14.07.2006 Yu Kosuge: Beachtliches Debüt Yu Kosuges Einspielung der Mozart-Klavierkonzerte KV 271 und 467 mit dem NDR-Sinfonieorchester unter Lawrence Foster war am 14. Juli 'CD des Tages' in hr2. Wegen ihres klangschönen, sinfonischen Ansatzes an die Klavierkonzerte heranzugehen wurde sie dabei in eine Linie mit Alfred Brendel und Christian Zacharias gestellt. 'Keine Frage, dass Yu Kosuge das pianistische Rüstzeug mitbringt, um die Klavierkonzerte hervorragend spielen zu können. Dass sie aber auch die musikalische Einsicht und Reife mitbringt, [zeigt] der langsame Satz aus dem Jeunehomme-Konzert. [...] Zum ersten Mal stellt sich die 23-jährige Yu Kosuge hier gemeinsam mit Orchester vor, ein beachtliches Debüt.' Martin Grunenberg |